Ulrich von Liechtenstein - Leben als Dichter und Politiker

Aus Arbeitskoffer zu den Steirischen Literaturpfaden des Mittelalters
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Ulrich von Liechtenstein (*um 1200/10, † 26.01.1275) war ein steirischer Dichter und hatte viele politische Ämter inne. Er wurde zwischen 1200 und 1210 in Judenburg in der Steiermark geboren. In seinem Leben war er ein bedeutsamer, wohlhabender Ministerale des neuen Herrenstandes im Herzogtum Steiermark, Österreich, Kärnten und Krain.[1] Ulrich war kein Berufsdichter, sondern übte das Dichten nur zu seiner Unterhaltung und zur Unterhaltung seiner Umgebung aus. Seine beiden großen Werke werden "Frauendienst“ und „Frauenbuch“ genannt; er verfasste sie 1255 bzw. 1257.[2] Neben seinem politischen Engagement wusste er auch über die höfische Kultur – Literatur, Musik und Kunst – des 13. Jahrhunderts Bescheid. Das Vorbild für seinen Minnesang, der vom hohen Minnesang um 1200, in Motivik und Konzeption, abhängig war, war niemand Geringerer als Walther von der Vogelweide. Ulrich tendierte zur Ethisierung der Minne und variierte Gattungen wie Kanzone, das Tagelied, das Kreuzlied und Motive wie die Liebe von Kindesbeinen an oder das Verstummen vor der Dame.[3]

Familie

Ulrich von Liechtenstein entstammte der edelfreien Sippe der Traisen-Feistritzer. Sein Ahnherr war Dietmar II., der zwischen 1140 und 1145 den Namen „Liechtenstein“ erhielt.[4] Ulrichs Vater, Dietmar III. von Liechtenstein, lebte von 1164 bis 1218 und war ebenfalls Dichter und Lyriker. Dietmar III. hatte neben Ulrich weitere vier Kinder, nämlich Otto (1239-12709), Hartnit (1283-1298), Dietmar (1224-1265), Hedwig (Lebensdaten unbekannt) und eine Tochter, deren Name in Urkunden unerwähnt geblieben ist. Ulrich selbst hatte mit seiner Ehefrau Perchta von Weissenstein vier Kinder: Ulrich II., Otto II., Dietmut und Perchta, die spätere Gattin Herrands von Wildon.[5]

Politische Haltung

Ulrich erreichte ein Lebensalter zwischen 65 und 75 Jahren, was für die damalige Zeit unüblich hoch war. Es ist durch zahlreiche Urkunden bezeugt, dass er zur Zeit der letzten Babenberger-Herzöge, Leopold VI. (1198–1230) und Friedrich II. (1230–1246) lebte. Durch sein aktives politisches Engagement ist er in fast hundert Urkunden erwähnt worden, was zur Folge hat, dass man auch heute noch detaillierte Kenntnisse über sein Leben und Wirken hat.[6] Mit dem Ende der Herrschaft von Friedrich II. und dem Beginn der Regentschaft des Ungarnkönigs Bela IV. und Ottokars von Böhmen begann eine schwierige Zeit für Österreich und die Steiermark.[7] Ulrich war ein prominenter Vertreter des steirischen Herrenstandes. So fungierte er als Austeller, Vertragspartner, Bürge, Zeuge, Siegler, Schiedsrichter sowie Vermittler. Er hatte viele bedeutende Ämter inne, so war er unter Herzog Friedrich II. Inhaber des Hofamts des Truchsess des Herzogtums Steiermark. Zwischen 1267 und 1272 war Ulrich Marschall in der Steiermark. Den Höhepunkt seiner politischen Tätigkeiten erreichte er 1245 mit dem Amt als Landesrichter – seine Aufgabe bzw. Tätigkeit war es nun, den Landesherrn bei Gerichtsverhandlungen zu vertreten. Bis in sein hohes Alter agierte er in bedeutenden politischen Ämtern und war ständig in Kontakt mit dem jeweiligen Landesherrn und den Landesträgern des Herzogtums Steiermark.[8]

Einzelnachweise

  1. Spechtler, Franz Viktor: Ulrich von Liechtenstein. Literatur und Politik im 13. Jahrhundert. In: Spechtler, Franz Viktor; Maier, Barbara (Hrsg.): Ich – Ulrich von Liechtenstein. Literatur und Politik im Mittelalter. Klagenfurt: Wieser 1999 S. 13-21.
  2. Müller, Jan-Dirk: Ulrich von Liechtenstein. In: ²VL 9 (1995), Sp. 1275-1276.
  3. Müller, Jan-Dirk: Ulrich von Liechtenstein. In: ²VL 9 (1995), Sp. 1276ff.
  4. Spechtler, Franz Viktor: Biographie Ulrichs von Liechtenstein. In: Spechtler, Franz Viktor; Maier, Barbara (Hrsg.): Ich – Ulrich von Liechtenstein. Literatur und Politik im Mittelalter. Klagenfurt: Wieser 1999 S. 480-483.
  5. Spechtler, Biographie, S. 480-483.
  6. Spechtler, Biographie, S. 480-483.
  7. Spechtler, Biographie, S. 480-483.
  8. Spechtler, Biographie, S. 480-483.
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