Minnesang

Aus Arbeitskoffer zu den Steirischen Literaturpfaden des Mittelalters
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Der Minnesang bezeichnet eine höfische Dichtungsform des Mittelalters im deutschsprachigen Raum, die sich auf die liebende Verbindung zwischen höfischer Minnedame und sehnsüchtigem Ritter bezieht, wobei die höfische Minnedame die Rolle der Angebeteten übernimmt. Seine Ursprünge vermutet man gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Minnesangs nahmen beispielsweise Walther von der Vogelweide oder Ulrich von Liechtenstein ein.

Inhaltsverzeichnis

Wortbedeutung und -herkunft

Das mittelhochdeutsche Wort „Minne“ [ahd. minna] wird hauptsächlich für die in der höfischen Dichtung beschriebene Liebe verwendet. Ursprünglich bezeichnete es nur die positiv emotionale Zuneigung zu einer anderen Person („freundliches Gedenken“). Später kamen Auslegungen in freundschaftlicher, liebender und sexueller Hinsicht hinzu. Im Spätmittelalter bezog sich das Wort Minne im Alltag nur mehr auf die sexuellen Handlungen zwischen Mann und Frau, bis es dann später zum endgültigen Ersatz durch das Wort „Liebe“ kam. Zudem wird unter „Minne“ bzw. „Minnesang“ heute die für die hochmittelalterliche Lyrik typische literarische Stilrichtung verstanden.

Geschichte

Zu den Vorbildern der Minnesänger zählen vor allem die Trouvères und Troubadours aus dem französischen Sprach- und Literaturraum, auch wenn sie den Anfang des Minnesangs im deutschen Raum noch nicht stark beeinflussten. Auch die lat. Vagantendichtung und antike Liebeslyrik werden oft als Vorgänger des mhd. Minnesangs angeführt. Der eigentliche Minnesang entstand aber erst in der 2. Hälfte des 12. Jh. , wobei sogenannte vasallische Werte, die Rittertugenden, erstmals eine wichtige Rolle spielten (siehe Kapitel „Thematik“):

triuwe (Treue)

mâze (Mäßigung)

zuht (Anstand)

êre (Ansehen)

staete (Beständigkeit)

milte (Milde)

muot (Mut)


Viele Dichter des Mittelalters litten unter starken Geldnöten, weswegen sie sich häufig in den Dienst von Adeligen oder Geistlichen stellten. Da sie von jenen wirtschaftlich abhängig waren, fiel den Minnesängern häufig auch die Aufgabe der Propaganda zu. Besonders für politisch aktive Adelige und Geistliche waren sie wertvoll, da der Minnesang im Volk sehr geschätzt war und Botschaften über das als richtig und gut wahrgenommene Leben und Lieben transportieren konnte. So war Ulrich von Liechtenstein etwa prägend für den steirischen Minnesang, der in der Zeit politischer Instabilität die Aufgabe hatte, für innersteirische Verbundenheit und eine landespolitische Identität zu sorgen. Minnesänger trugen ihre Lieder vor allem an Fürstenhöfen, in Städten und auf Reichstagen vor. Der Minnesang lässt sich zeitlich in drei Phasen gliedern:

Die donauländische Minne (1150-1170)

Die donauländische Minne entstand relativ früh und war von den französischen Troubadours noch weitestgehend unbeeinflusst. Über die Wurzeln dieser lyrischen Form ist vieles verloren gegangen, weshalb wenig über sie bekannt ist. Ein markantes Kennzeichen war die Langzeile (siehe Kapitel „Form/Charakteristika“). Sie griff die Themen Liebessehnen und Liebesdialog zwischen Mann und Frau noch auf sehr natürliche Weise auf, was sich in späteren Phasen ändern sollte. Obwohl in dieser Zeit noch nicht vom Minnesang als eigener Gattung gesprochen wird, gelten der Kürnberger und Dietmar von Aist als führende und bedeutendste Minnesänger dieser Zeit.

Die Blütezeit des Minnesangs (1170-1220)

Beeinflusst durch die Troubadour-Kunst in Frankreich entwickelt sich nun im westlichen Deutschland der Minnesang in der Form, wie er heute als idealtypisch verstanden wird. Mit zahlreichen namhaften Minnesängern wie Heinrich von Morungen, Reinmar dem Alte und Walther von der Vogelweide, der als bedeutendster deutschsprachiger Minnesänger gilt, spricht man hier nicht umsonst von der „Blütezeit des Minnesangs“. Die sogenannte Kanzonenstrophe nahm formal nun eine sehr wichtige Rolle (siehe Kapitel „Form/Charakteristika“) in den meist mehrstrophigen Werken ein. Inhaltlich erfuhren die Begriffe niedere und hohe Minne eine wachsende Bedeutung, zudem kam es durch die „politische Großwetterlage“ vermehrt zu Vermischungen zwischen Minnethemen und der Kreuzzugsthematik.

Die Spätphase des Minnesangs (ab 1230)

Ab 1230 verlor der Minnesang immer weiter an Bedeutung. Minnesänger beschränkten sich auf die Wiedergabe bekannter Formmuster, es fehlte an Innovation und das Wort „Minne“ wurde zum Synonym für Geschlechtsverkehr, der sich zum Hauptthema im (niederen) Minnesang entwickelte. Im 14. Jahrhundert wurde der Minnesang in den Städten größtenteils vom Meistersang abgelöst. Als letzter Minnesänger gilt der Tiroler Oswald von Wolkenstein. Mit ihm endet eine 150 Jahre alte Tradition.

Der Minnesang ist hauptsächlich aus Handschriften gegen Ende des 13. Jahrhunderts, also erst aus jener Zeit, als der Minnesang zunehmend an Bedeutung verlor, überliefert. Das bekannteste Beispiel stellt die Große Heidelberger Liederhandschrift dar. Jedoch gibt es keine Melodieaufzeichnung zu Werken aus den frühen Anfängen des Minnesangs. Diese Aufzeichnungen traten erst im 14. Jahrhundert auf, als der Minnesang schon weitgehend vom Meistersang verdrängt wurde. Sammelhandschriften wie der Codex Manesse beinhalten sich auf über 100 mittelalterliche Lyriker und Minnesänger. Dennoch ist im Allgemeinen sehr wenig über den Minnesang und seine Persönlichkeiten bekannt, da vieles verloren ging.


Form/Charakteristika

Zur wichtigsten Strophenform des frühen Minnesangs zählten einfache Reimpaarstrophen und durchgereimte Strophen. Nach romanisch-französischem Vorbild entwickelten sich später die Kanzonenstrophe,[1] auch Stollenstrophe genannt. Eine Kanzonenstrophe bezeichnet eine Strophenform, bestehend aus Auf- und Abgesang, wobei der Aufgesang aus zwei symmetrischen Teilen, dem A-Stollen, besteht; der Abgesang hingegen kann melodisch und rhythmisch frei gestaltet sein. Er wird als B-Stollen bzeichnet:[2]

Stollenstrophe.gif


Thematik

Wie in vielen lyrischen Werken wird im Minnesang hauptsächlich das „lyrische Ich“ verwendet. Diese Werke beziehen sich jedoch auf keine bestimmten Personen, um dem Publikum die Möglichkeit zu gewähren, sich in die Personen einzufühlen und hineinzuversetzen. Somit gilt das „lyrische Ich“ als allgemeine Gefühlshaltung. Auch die angebetete Herrin trägt keine reale Frau zum Vorbild, da sie als Inbegriff des schönen und anmutigen Weiblichen gilt.

Die Hohe Minne handelt von der unerfüllten Liebe zu einer unerreichbaren Frau. Dieses Thema wird ebenfalls im Frauendienst[3] Ulrichs von Liechtenstein aufgegriffen. Dieses literarische "Setting" war stilistisch die Hauptthematik des Minnesangs in seinen Blütezeiten. Im Gegensatz dazu geht es bei der Ebenen Minne geht es um die gleichberechtigte Liebe zwischen zwei Partnern, bei der Niederen Minne um eine derbe Schilderung körperlicher Minne bzw. des Anbahnungsversuchs ebendieser.


Wichtige Minnesänger

Die donauländische Minne (1150-1170)

• Der von Kürenberg

• Dietmar von Aist

Die Blütezeit des Minnesangs (1170-1220)

• Hartmann von Aue

• Heinrich von Morungen

• Reinmar der Alte

• Walther von der Vogelweide

• Wolfram von Eschenbach

Ulrich von Liechtenstein

Die Spätphase des Minnesangs (ab 1230)

Hugo von Montfort

• Der Mönch von Salzburg

• Oswald von Wolkenstein

Weiterführende Informationen

Einzelnachweise

  1. Vgl. Kanzonenstrophe. In: Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Band 13: J-Kn und 4. Nachtrag. Neunte, völlig neu bearbeitete Auflage. Mannheim/Wien/Zürich: Bibliographisches Institut, 1975, S. 413
  2. Bildquelle: http://www.literaturwelt.com/epochen/hochmittelalter.html
  3. Vgl. Frauendienst. In: Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Band 9: Fj-Gel. Neunte, völlig neu bearbeitete Auflage. Mannheim/Wien/Zürich: Bibliographisches Institut, 1973, S. 358

Verwendete Literatur

Krohn, Rüdiger: Literaturbetrieb im Mittelalter. In: Wischer, Erika (Hrsg.): Geschichte der Literatur. Die mittelalterliche Welt 600-1400. Band II. Berlin: Propyläen Verlag, 1988, S. 215-217

Minnesang. In: Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Band 16: Mei –Nat und 5. Nachtrag. Neunte, völlig neu bearbeitete Auflage. Mannheim/Wien/Zürich: Bibliographisches Institut, 1976, S. 285 f.

Hofmeister, Wernfried: Steirische Literatur (950-1282). In: Johannes Giessauf (Hrsg.): Geschichte der Steiermark (in Vorbereitung), [Vorabdruck 2014: S. 20f.].

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