Handschriften

Aus Arbeitskoffer zu den Steirischen Literaturpfaden des Mittelalters
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Codex (Plural: Codices). Lat. Caudex: Holzklotz. Der Codex ist das mittelalterliche Buch. Die Etymologie verweist auf das antike Verfahren, beschriftete Holztäfelchen mit Fäden zusammenzubinden. Der Codex löst die Buchrolle ab; vor allem bringen Handhabung und Lagerung wesentliche Vorteile.[1]

Inhaltsverzeichnis

Beschreibstoffe

Der Beschreibstoff von frühen Büchern hat sich wie folgt geändert. In der Antike war der wichtigste Schreibstoff Papyrus[2]. Im Laufe der Zeit wurde Pergament häufiger verwendet und später freilich Papier. Pergamentblätter werden aus gebeizter Tierhaut hergestellt, die anschließend auf einen Rahmen gespannt getrocknet wurde[3]. Nach Bischoff handelt es sich beim „Jungfernpergament“ um eine Spezialität des späteren Mittelalters. Das zarte Jungfernpergament wurde aus der Haut ungeborener Lämmern hergestellt[4]. Freilich handelt es sich bei jeder Pergamentart um etwas Besonderes, wenn man die ökonomischen Faktoren (Herstellungsaufwand, Anzahl der gebrauchten Tiere etc.) mitdenkt. Die Tinte der Handschriften des 4. - 6. Jh. scheint eine lackartige Konsistenz zu haben und ihre Färbung schwankt laut Bischoff „zwischen klarem Dunkelgelb und Olivbraun“[5]. Um etwas im Text hervorzuheben, wie zum Beispiel Majuskeln, wurden je nach Region verschiedene Farben verwendet: am häufigsten wurde Ziegelrot eingesetzt, aber auch Schwarzblau, Graublau und bräunliches Rot[6].

Äußere Form

Brandt hält fest, dass „mittelalterliche Texte für eine Altersbestimmung mit physikalisch-chemischen Methoden in der Regel zu jung (sind)“, weshalb eine Altersbestimmung bei ihnen aufgrund des Schrifttyps und zum Beispiel des Sprachstandes (alt-, mittel-, frühneuhochdeutsch) vorgenommen wird[7]. Der Codex hat sich aus der ursprünglichen Form der Buchrolle entwickelt, da schon aus praktischen Gründen die Handhabung von Büchern einfacher war. Der mittelalterliche Codex besteht aus einfach gefalteten und zu Lagen zusammengestellten Pergamentblättern und einem Deckel, um die Pergamentblätter zu schützen[8]. Das Format der Codices war nicht wie heute (A1-5) genormt, sondern hing vom Umfang, dem Inhalt und dem Zweck des Werkes ab. Es wurden Luxusexemplare erstellt, die Formate von ca. 425 x 325mm hatten, aber auch ausgesprochen kleine Formate (45 x 34mm), die vielleicht als Amulett getragen wurden[9]. Der Text der Werke war meistens in 2-4 Spalten pro Seite gegliedert, die Langzeile, so wie wir sie heute kennen, wurde erst später häufiger verwendet.

Schreiber

Der Grad der Alphabetisierung war im Mittelalter sehr viel geringer, deshalb wurden schriftliche Tätigkeiten anfangs fast ausschließlich von Geistlichen durchgeführt; Klöster waren deshalb die Bollwerke der Schriftlichkeit. Erst durch die Einführung von sogenannten Lohnschreibern und Schreibkanzleien und zusätzlich der Verbreitung der Schriftkultur, kamen auch Weltliche in den Genuss des Schreibens[10]. Es gibt auch verschiedene Arten von Handschriften:

  • Sammelhandschriften (= eine Sammlung von Werken und unterschiedlichen Autoren)
  • Autorhandschriften (= eine vom Autor selbst erstellte Handschrift; sehr selten)
  • Einzelhandschriften (= ein einzelnes Werk)
  • Mischformen.

Beim berühmten Codex Manesse handelt es sich beispielsweise um eine Liederhandschrift, also eine Sammlung aus Liedern von verschiedenen Autoren. Unter anderem sind auch die Lieder Ulrichs von Liechtenstein im Codex Manesse überliefert.

Quellennachweise

  1. S. Thomas Bein: Textkritik. Eine Einführung in Grundlagen germanistisch-mediävistischer Editionswissenschaft. Lehrbuch mit Übungsteil. Frankfurt a.M. u.a.: Lang 2008. S.170.
  2. Vgl. Bernhard Bischoff: Palöographie des römischen Altertums und des abendländischen Mittelalters. 4.Auflage. Berlin: Erich Schmidt 2009. S.21.
  3. Vgl. edba. S.23.
  4. Vgl. ebda. S.34f.
  5. Vgl. ebda. S.32.
  6. Vgl. ebda. S.33.
  7. S. Rüdiger Brandt: Grundkurs germanistische Mediävistik. Literaturwissenschaft. Eine Einführung. München: Fink 1999. (= Uni-Taschenbücher 2071). S.26.
  8. Vgl. Bernhard Bischoff: Palöographie des römischen Altertums und des abendländischen Mittelalters. 4.Auflage. Berlin: Erich Schmidt 2009. S.37.
  9. Vgl. Bischoff: Paläographie 2009. S.42.
  10. W. Wattenbach: Das Schriftwesen im Mittelalter. 2.Auflage. Leibzig: S. Hirzel 1875. S.359-452.

Weiterführende Links

  1. Manuskript
  2. Kodikologie
  3. Codex Manesse
  4. Vollständiges Digitalisat des Codex Manesse

Michaela Praßl; 30.06.2013

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