Die Katze (Herrand von Wildon)

Aus Arbeitskoffer zu den Steirischen Literaturpfaden des Mittelalters
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Die Katze ist eine von vier Verserzählungen des steirischen Dichters Herrand von Wildon.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Der Kater betrachtet seine schlafende Gattin, die Katze, und stellt fest, dass er eine mächtigere Frau verdient hätte, angesichts dessen, wie prächtig er selbst ist. Er macht sich auf den Weg zur Sonne, die ihn jedoch an den Nebel weiter verweist, der in der Lage sei, die Macht der Sonne einzuschränken. Frau Nebel schickt den Kater zu Frau Wind, diese jedoch fürchtet die Mauer, welche den Windstoß aufzuhalten im Stande ist. Frau Mauer hat nur Angst vor Mäusen, die Löcher in sie knabbern. Die Maus aber hat ihrerseits Angst vor der Katze, so dass der Kater erkennen muss, dass seine Frau tatsächlich die mächtigste Herrin ist.[1]

Interpretation

Die Katze wurde, wie auch Herrands Erzählungen „Der nackte Kaiser“ und „Die treue Gattin“ in einen landespolitischen Kontext gestellt. Demnach ist der Text über die Ehethematik hinausgehend als Plädoyer für Treue zu lesen, gerade auch im Verhältnis zwischen Lehensherren und Lehensmann. Herrand selbst schlägt diese Lesart im Epilog der „Katze“ vor[2]:

Text

Wem ditze mære gelîchen kan,
daz sage ich iu: ein ietslîch man
sol sînen hêrren hân für vol.
als er in wænt verbezzern wol,
so hât er ze arge in gar verkorn,
und ob er hœher ist geborn
und rîcher, dan der êrste was,
mit dem er ennenher genas.
als er ze eim fremden is gegân,
sô muoz er êrste heben an
und muoz dienen ûf die tage,
daz er dem selben wol behage.
und wære er dort bî im beliben,
bî dem er het sîn zît vertriben,
der müese denken im dar an,
daz er im dienst ê het getân.

Übersetzung

Für wen diese Geschichte gilt,
das sage ich euch: Jeder Mann
soll seinen Herrn anerkennen.
Wenn er meint, etwas Besseres als ihn zu finden,
so wählt er an seiner Stelle einen Schlechteren,
selbst dann, wenn der von höherer Abstammung
und mächtiger ist als der vorherige,
mit der er doch ausgekommen war.
Wenn er zu einem Fremden kommt,
muss er nämlich von vorne anfangen
und ihm so lange dienen,
bis er dessen Wohlwollen gewonnen hat.
Wäre er hingegen bei dem geblieben,
bei dem er schon lange Zeit war,
so würde der es ihm nicht vergessen,
dass er ihm schon vormals gedient hatte.

Literaturpfad

Die Geschichte der Katze kann auch (auszugsweise) am Wildoner Literaturpfad erwandert werden. Die Orientierungsstation befindet sich direkt im Ortszentrum, nähere Informationen gibt es auf der Literaturpfade-Homepage.

Einzelnachweise

  1. Vgl. Wernfried Hofmeister: Steirische Literatur (950-1282). In: Johannes Giessauf (Hg.): Geschichte der Steiermark (in Vorbereitung), [Vorabdruck 2014: S. 30].
  2. Herrand von Wildon: Die Katze. Mittelhochdeutscher Text und Übersetzung ins Neuhochdeutsche von Wernfried Hofmeister. Graz: Universitätsverein Steir. Literaturpfade d. MA 2012. (= Texte zu den Steirischen Literaturpfaden des Mittelalters. 3.)
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